Antifaschismus in Kiel jenseits von Antifa-Koordination, OTK & Co. KG
Gewalt und Herrschaft: Von Mackern und politischem Autoritarismus.
Linksautoritäre Gewalt gegen Teilnehmer*innen bei Kurdistan-Soli-Demo in Kiel
Content Note: Gewalt gegen Personen, Antisemitismus, Ausgrenzung
Die Kieler Linke hat ein Gewaltproblem. Die Kieler Linke hat ein Mackerproblem. Die Täter*innen sind in der Kieler Szene etabliert und vernetzt. Sie treten unter den Labeln Revolutionsstadt, Offenes Treffen Kiel für Feminismus, Antifaschismus und Frieden (OTK), Young Struggle und anderen auf, die auch zu der Demonstration „Halt Stand Kobanê - gemeinsam die Rojava-Revolution verteidigen“ am 20. Januar aufgerufen haben.
Wir wollten in Solidarität mit den Menschen in Rojava an der Demonstration, einer öffentlichen politischen Veranstaltung, teilnehmen. Ganz bewusst ohne Symbole, ohne Fahnen, ohne äußere Marker. Dennoch wurden wir von Beginn an markiert, bedroht und bedrängt – allein aufgrund der politischen Zuschreibung: „Das sind Zionisten.“ Nachfragende wurden mit diesem Satz auf uns aufmerksam gemacht. Die Zuschreibung diente als Legitimation für jeden Angriff auf uns.
Bereits zu Beginn am Bahnhofsvorplatz kam es zu aggressiver Ansprache, Abwertungen und verbalen und körperlichen Aufforderungen, den Ort zu verlassen. Einzelne Personen wurden namentlich angesprochen, persönlich herausgegriffen und öffentlich adressiert. Politische Zuschreibungen wurden mit persönlichem Outing vermischt – eine bewusste Grenzüberschreitung.
Im weiteren Verlauf verdichtete sich die Situation mit dauerhaftem körperlichem Einsatz und Übergriffen:
Rempeleien und versuchte Abdrängung an den Rand der Veranstaltung.
Konstante Einschüchterungsversuche durch Einzelpersonen und Kleingruppen.
Gezielte Schläge gegen den Kopf und ins Gesicht.
Demomaterial wurde gewaltsam entrissen und zerstört.
Die Dokumentation der Übergriffe wurde behindert.
Einzelne Ordner*innen der Demonstration beteiligten sich aktiv an Angriffen oder duldeten sie. (Not all Ordner*innen! Danke explizit an diejenigen, die uns vor Gewalt geschützt haben.)
Wir wurden aktiv an der Teilnahme gehindert. Diese Handlungen waren kein Zufall im Durcheinander, keine Taten Einzelner, sondern klar adressierte Gewalt gegen vermeintliche Feinde. Die Täter*innen sprachen sich ab, mehrere vermummten sich mit roten Tüchern.
Am Endpunkt der Veranstaltung eskalierte die Situation erneut. Mehrere Personen bauten sich gezielt vor uns auf, blockierten mit einem Banner, wiederholten Ausschluss- und Drohparolen, übten wieder auch körperliche Gewalt aus. Eine Person wurde mit einem Schlag gegen den Kopf gezielt attackiert, die Gruppe hinter dem „Krieg dem Krieg“-Banner kommentierten den Angriff positiv.
Statt um Solidarität mit dem kurdischen Befreiungskampf gegen das islamistische Regime ging es OTK, Young Struggle und Co. um die Durchsetzung eigener Symbolik, Dominanz und ihrer Präsenz.
Wiederholt wurde sich auf angebliche Vorgaben „des Veranstalters“ bezogen. Diese Berufung auf Autorität ersetzte politische Auseinandersetzung und diente allein der Rechtfertigung von Ausschluss, Bedrohung und Gewalt. Kurdische Demoteilnehmer*innen versuchten die Macker*innen von OTK und Co. von weiterer Gewalt zurückzuhalten, daraufhin wurde selbst ihre Teilnahme an der Demonstration in Frage gestellt: „Such dir andere Freunde.“
Unser politisches Handeln und Einordnung
Wir stellen uns gegen jeden Antisemitismus, gegen Rassismus, gegen Faschismus, gegen Islamismus, gegen Sexismus und Queerfeindlichkeit, gegen Ableismus, gegen Ausgrenzung und autoritäre Politik.
Wir waren auf der Versammlung, um unsere Solidarität mit Rojava, Rojhilat, Başûr und Bakur zu bekunden. Um gemeinsam mit zahlreichen Verbündeten gegen die islamistische Gewalt und für die Freiheit zu demonstrieren.
Dass wir als „Zionisten“ markiert und damit zur vermeintlich legitimen Zielscheibe erklärt wurden, sagt viel über das Weltbild derjenigen, die so agieren. OTK und Co. geht es offensichtlich nicht um die angegriffenen Menschen in Kurdistan, um Solidarität mit Unterdrückten, sondern um die eigene Inszenierung als gewaltbereite Macker*innen, die auf Demonstrationen den Ton angeben.
Das ist kein „innerlinker Konflikt“, sondern autoritäre Praxis, die Zusammenarbeit in der Sache durch Feindmarkierung ersetzt. Es ist eine Bankrotterklärung der radikalen Linken in Kiel: Patriachale Gewalt und Mackertum wird nicht nur toleriert, sondern durchaus gefeiert - solange es die Richtigen trifft.
Es ist bezeichnend, dass unsere schlichte Anwesenheit, trotz expliziter Solidarität mit Kurd*innen, zu Übergriffen durch OTK, Revolutionsstadt, Young Struggle und anderen führte.
Wir wollen das Schweigen der Kieler Linken brechen. Wir wissen von Menschen, die aus Angst schweigen. Aus Angst, selbst zur Zielscheibe zu werden. Aus Angst, Räume und Zugänge zu verlieren. Aus Angst vor Isolation und Gewalt.
Werdet lauter! Dass Linke auf Basis von Zuschreibungen verfolgt und angegriffen werden, darf keine politische Praxis sein. Macht und Herrschaft gilt es zurückzuweisen.
Wir akzeptieren nicht, dass Gewalt, Feindmarkierung und Einschüchterung Alltag werden.
Wir machen da nicht mit! Wir bleiben sichtbar, wir benennen Täter*innen, wir widersprechen den Verhältnissen. Wir lassen uns nicht klein machen. Wir schweigen nicht. Wir sind gekommen, um zu bleiben.
Antifa im Exil
Kiel, 21. Januar 2026
Dreck ist euer Weltbild
Am 15. Januar 2026 wurde erneut jemand aus unseren Reihen beschimpft. Kein Einzelfall. Nicht banal – auch wenn wir schon schlimmeres als „Du bist Dreck“ gehört haben.
Hinzu kommt der Kontext. Diese öffentliche Beschimpfung morgens am Vinetaplatz in Kiel steht in einer Reihe mit anderen Übergriffen: Körperliches Bedrängen im öffentlichen Raum, Angriffe bei linken Demonstrationen, Flaggenraub, Anspucken, gezielte Schmähungen, Markierungen von Wohnorten und wiederholte Einschüchterungsversuche. Das ist kein Zufall, sondern ein Muster, Mobbing, Gewalt.
Diese Angriffe kommen aus dem Umfeld autoritärer Gruppen und etablierter linker Strukturen in Kiel. Die Täter*innen sind bekannt. Sie richten sich gegen Menschen und Zusammenhänge, die nicht ihrer politischen Linie folgen. Wer abweicht, wird angegangen - öffentlich, persönlich und mit dem Ziel, einzuschüchtern, Räume zu kontrollieren und andere zu verdrängen.
Das ist keine politische Auseinandersetzung, das ist Terror. Es ist der Versuch, durch Druck, patriarchiale Gewalt und Drohkulissen Homogenität und Hegemonie herzustellen. Wer so handelt, ersetzt Argumente durch Einschüchterung und ist Täter*in. Wer wiederholt so handelt, ist sich dem bewusst. Es braucht eine klare Absage an diese Form von Szene-Autoritarismus.
Wir veröffentlichen und dokumentieren den Vorfall, weil Schweigen diese Dynamiken normalisiert. Es geht nicht um Befindlichkeiten, sondern um politische Praxis: Wer linke Räume, den ganzen Stadtteil beständig durch Mobbing, Bedrohung und symbolische Gewalt formt, verhindert emanzipatorische Politik. Das muss benannt werden, auch wenn der heutige Täter Mitbetreiber eines bekannten Szeneladens ist.
Dreck ist euer Weltbild, nicht unsere Existenz!
Antifa im Exil
Kiel, im Januar 2026
Gegen den Antisemitismus in der Kieler Linken
Teil 1 - to be continued ...
Antisemitismus ist keine Meinung, sondern letztlich ein Angriff auf uns alle. Bereits vor Monaten wurde öffentlich darauf hingewiesen, dass antisemitische Haltungen in Kiel wie in vielen anderen Städten zunehmend offen und aggressiv geäußert werden. Hierzu gab es ausführliche Berichte, u.a. in den Kieler Nachrichten und dem NDR. Jüngst wurde dies nochmal durch offizielle Zahlen untermauert. Aus der Kieler Linken hingegen kam keine Reaktion. Statt sich dem entgegenzustellen, dulden Teile der linken Szene in Kiel diesen Hass oder schweigen zu ihm. Hass, der auch aus der linken Szene kommt. Das können und wollen wir nicht länger hinnehmen! Wir werden dazu nicht schweigen!
Erschütternd war etwa ein Graffiti mit dem Slogan „Messer rot, Zionist tot“. Hier wird nicht nur antisemitischer Hass ausgedrückt, sondern ganz konkret zur Gewalt aufgerufen. Diese Enthemmung setzte sich fort: Anfang Dezember 2024 wurden in der gesamten Stadt Sticker verklebt mit der Aufforderung „Zionisten mal zu Hause [zu] besuchen“, ergänzt um eine reale Adresse, unter der der betroffene Mensch zu finden sein sollte. Solche Feindmarkierung sind brandgefährlich. Die Sticker wurden mit dem Logo der sogenannten Anti-Zionist Aktion verbreitet. Dieses Symbol tauchte mit den Stickern in der Weise zum ersten Mal auf und ist wie das wohlbekannte Antifa-Logo gestaltet. Am 9. Dezember 2024 bekannten sich zwei Personen öffentlich zu dieser Aktion, indem sie die Mahnwache für freies, jüdisches Leben in Kiel störten und das genannte Logo dort auf Schildern präsentierten. Diese Personen sind in der linken Szene in Kiel keine Unbekannten. Sie werden teils offen geduldet und unterstützt – auch von Personen aus prominenteren Zusammenhängen der Kieler Antifa. Einer von ihnen war früher Nazi-Kader bei der NPD.
Doch es geht nicht nur um Einzelne. Es gibt ein Netzwerk aus Gruppen wie Young Struggle, dem Roten Kollektiv Kiel (RKK), SDAJ/DKP, Initiative Gemeinsam Kämpfen (IGK) und Netzwerk Kiel Entwaffnen. Dieses Netzwerk ist verantwortlich für antisemitische Sticker, Einschüchterungen im öffentlichen Raum, Drohungen und Gewalt gegen Menschen, die sich dem entgegenstellen.
Ein besonders besorgniserregender Fall betrifft eine jüdische Person, die zur Zielscheibe wurde. Mehrfach wurde sie mit namentlich adressierten, bedrohlichen Graffiti attackiert – darunter Formulierungen, die unmissverständlich signalisierten, man wolle sie „zum Schweigen bringen“. Besonders perfide: Auch an ihrer Arbeitsstelle wurde durch Schriftzüge und Aufkleber signalisiert, dass man wisse, wo man sie treffen könne – verbunden mit unterschwelliger bis offener Gewaltandrohung. Diese Person wurde damit nicht nur öffentlich markiert, sondern in ihrem Alltag und in ihrer Existenz massiv bedroht. Dass solche Einschüchterungstaktiken und psychische Gewaltakte in Kiel praktiziert und geduldet werden, ist alarmierend. Und die linke Szene schweigt!
Weitere Vorfälle belegen, wie tief das Problem reicht: Beim Semesterstart wurde eine Person der SDAJ beobachtet, wie sie gezielt Infomaterial entwendete und sich danach gewaltbereit gegenüber Kritiker*innen positionierte. Auf einer Anti-AfD-Kundgebung musste ein Transparent mit der Aufschrift „Gegen Rechtsextremismus & Islamismus – Gegen linken & bürgerlichen Antizionismus! Antisemitismus bekämpfen auf allen Ebenen“ unter Reißen am Banner, Tritten, weiteren Androhungen von Gewalt und im Beisein eines maßgeblichen Teils der Antifa-Szene entfernt werden – begleitet mit den Worten „Ich spalte dir den Schädel“. Die Täter*innen: RKK- und IGKler*innen. Man bezog sich mehrfach positiv auf Leila Khaled, eine PFLP-Terroristin, die sich an Flugzeugentführungen und Selektion israelischer und jüdischer von anderen Passagier*innen beteiligte und deren Idol in jungen Jahren Hitler war, weil er Feind der Juden gewesen sei. Ihre Hitlerbewunderung nahm ab; nicht etwa, weil sie einsah, dass Judenhass verkehrt ist, sondern weil sie bemerkte, dass Hitler auch Araber*innen als Untermenschen ansah. Eine Person, die an einer Bushaltestelle einen antisemitischen Sticker überklebte, wurde angepöbelt und bedroht mit Aussagen wie: „Mit Zionisten fahr ich nicht Bus“ und „Scheiß Zionist ... du kannst glücklich sein, dass ich dich heute nicht fertig mache“. Es wurden Sticker mit dem Schriftzug „Israel mordet“ verklebt, deren Inhalt und Design genau so ein paar Jahre zuvor von den Jungen Nationaldemokraten (Jugendorga der NPD) erstellt und verklebt wurde. Im Kampf gegen Israel scheinen sich vermeintliche Linke mit Faschos einig. In einem besonders verstörenden Fall tauchte eine Galgenmalerei auf, in der ein Aktivist mit Namen benannt und damit offen bedroht wurde. Im Subrosa wurde eine Person, die sich öffentlich gegen Antisemitismus positioniert, wiederholt beleidigt und letztlich sogar angespuckt. Einer weiteren Person wurden beim Entfernen antisemitischer Sticker beinahe die Finger gebrochen. In Kiel-Gaarden kam es zu einem tätlichen Angriff auf eine Israel-Pride-Fahne, begangen durch Personen aus dem Umfeld des RKK. In einem Livestream eines Mitglieds der Linkspartei wurde ein Aktivist öffentlich diffamiert: man warf ihm Kindermord vor und phantasierte offen über Gewalt an ihm. Ein anderes Mitglied der Linkspartei hielt Reden auf vermeintlich pro-palästinensischen Demos, bei denen u.a. „There is only one solution: Intifada - Revolution“ oder „Von Kiel bis Gazastadt: macht die Zionisten platt“ skandiert wurde. Kein Widerspruch seitens der beteiligten Linken.
All dies ist Ausdruck eines Antisemitismus’, der sich hinter vermeintlich emanzipatorischer Rhetorik versteckt und links gibt, aber in Wahrheit zutiefst reaktionär und autoritär ist und nicht vor Gewalt an Menschen zurückschreckt, sie praktiziert und andere dazu auffordert. Das ist brandgefährlich!
Wir möchten an dieser Stelle etwas klarmachen: Zionismus ist kein Schimpfwort. Er beschreibt das Recht jüdischer Menschen auf kollektive Selbstbestimmung nach Jahrhunderten von Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung. Wer Zionismus angreift ohne zwischen einer israelischen Regierung und der Existenz jüdischer Selbstbestimmung zu unterscheiden, betreibt kein politisches Engagement, sondern Antisemitismus. Und selbst wenn doch gelegentlich mal der Unterschied anfänglich gemacht wird, wird bei vielen vermeintlichen „Regierungskritiker*innen“ schnell augenfällig, dass sie die Regierung nur als willkommene Strohpuppe hernehmen, um Israel dann doch als Ganzes zu delegitimieren und der Vernichtung preis zu geben.
Wir fordern alle Einzelpersonen und Gruppen, die sich als emanzipatorisch begreifen, zur klaren Distanzierung und zu entsprechenden Taten auf, die zeigen, dass man das Problem verstanden hat und ernst nimmt. Dazu:
Distanzierung von Antisemitismus – egal ob religiös, rechts, bürgerlich oder „links“ begründet
Distanzierung von Drohungen, Gewalt und gezielter Feindmarkierung gegen Menschen, die als „Zionist*innen“ markiert werden
Distanzierung und Verurteilung von Gruppen und Einzelpersonen, die Terror verherrlichen, Jüdinnen und Juden einschüchtern oder Mordaufrufe verbreiten
Linke Räume als safer spaces für Jüdinnen und Juden
Nutzungsverbote für linke Räume für all jene, die sich an beschriebenen Aktivitäten beteiligen oder sie dulden
Distanzierung von einseitiger Kritik an Israel als Vorwand für blanken Judenhass
Antifaschismus bedeutet: Schutz aller marginalisierten Gruppen – und nicht die Diffamierung jüdischen Lebens. Wer Antisemitismus duldet oder relativiert, hat in linken und emanzipatorischen Strukturen nichts verloren!
Mit der vorliegenden Beschreibung der Kieler Zustände und den Forderungen zur Bekämpfung des Antisemitismus’ in der Linken reihen wir uns ein in eine nicht kurze Historie von Gruppen oder Einzelpersonen, die seit mindestens 20 Jahren immer wieder versucht haben darauf hinzuwirken, dass Antisemitismus in der Kieler Linken thematisiert und abgeschafft wird. Es kann keiner sagen, man hätte nichts gewusst und es hätte nicht ausreichend Gelegenheiten gegeben, Dinge klar zu bekommen. Heute müssen wir konstatieren, dass diese Aktivitäten offenbar nicht sonderlich viel gefruchtet haben, obwohl ein Teil der Szene durchaus noch aus dem alten Personal besteht, dem das alles nicht entgangen sein kann.